Von Rohfütterung auf Trockenfutter.

Von Rohfutter (Fleisch) auf Trockenfutter. Wir waren verblüfft, was wir erlebten.

Manchmal kann man noch so planen, da hat es den Anschein, als wenn sich alle Unwägbarkeiten gegen einen verschworen haben. So erging es Lisa mit dem Futternachschub für ihre Hunde. Der Fleischlieferant kann nicht liefern, obwohl zugesagt, dazu ist Wochenende und die meisten Geschäfte haben zu. Die, die auf haben, sind leer gekauft. Folge davon: Lisa hat kein Fleisch für die Fütterung. Naja, so tragisch ist das auch nicht, es gibt ja Trockenfutter zu kaufen. Und so machten wir unfreiwillig eine Art Experiment: Von Rohfütterung auf Trockenfutter. Wir waren verblüfft, was wir erlebten.

Lisa kaufte einen 15 kg Sack hochwertiges und alles andere als günstiges Trockenfutter. Da restlos alle Fleischreserven verbraucht waren, begann sie sofort mit dem verfüttern des Trockenfutter. Sie mischte das Trockenfutter mit Wasser, ließ es aber nicht einweichen. Die Huskys fraßen das Trockenfutter sofort, außer Magic, die mäkelte mit dem Futter herum, sie fraß ihre Portion nicht auf, an keinem der vier kommenden Tage. Für einige der Huskys war es das erste mal in ihrem Leben, dass sie Trockenfutter überhaupt sahen, geschweige den jemals zuvor gefressen haben.

Die Huskys werden abends gefüttert. Am nächsten Tag, nachmittags fragten wir uns, warum die Huskys so unruhig waren. Erst dachte jeder von uns, er bilde sich das nur ein, aber bei uns beiden zusammen konnte es keine Einbildung sein. Einen Grund konnten wir allerdings nicht finden. Wir schoben es einfach auf allgemeine schlechte Laune der Hunde. Womöglich waren sie knatschig, weil das Wetter zu warm war.

Der zweite Tag.

Am darauffolgenden Tag, der zweite Tag, an dem Trockenfutter gefüttert wurde, nahm neben der allgemeinen Unruhe auch die Zahl der Streitigkeiten zu. Ja, die streiten sich immer mal um etwas, wenn sie nicht ausgeglichen sind, und aufgrund des Warmen Wetters war dies der Fall, aber an diesem Tag war es bedeutend öfters. Wenn wir ansonsten mit Kunden zwei Stunden zusammen am Rande des Geheges saßen, so kam es wenn überhaupt, zu höchstens einer Streitigkeit, bei der einer der Huskys dann theatralisch aufheult. Die Alaskan Huskys sind sehr theatralische Schauspieler. Aber an diesem Tag kam es mehrmals zu Streitigkeiten. Und zu theatralischen Auswüchsen in diesem Zusammenhang. Insgesamt lagen die Huskys bedeutend weniger herum, als es sonst der Fall war bei solch warmen Wetter.

Der dritte Tag.

Am dritten Tag der Fütterung mit Trockenfutter nahm die Intensität der Unruhe zu. Alle Huskys wirkten nervös, sie waren viel Lauter, als es sonst der Fall ist. Während wir sie sonst den Tag über nur zwei bis drei mal hören, mit Bellen, Heulen oder ähnlichem, war es an diesem Tag fast stündlich, das sich irgendwelche Mitglieder des Rudels anknurrten, anbellten oder sonstwie missmutig die eigene Gemütslage kund taten und zwar so laut, das wir sie bis ins Haus hören konnten. Sie regten sich auf einmal über Dinge auf, wie über das Gehege fliegende Vögel, die sie sonst nicht einmal beachteten. Die Intensität von Auseinandersetzungen nahm deutlich zu. Zuvor gab es bei Auseinandersetzungen nie sichtbare Folgen. Nun gab es schrammen bei einigen zu sehen.

Der vierte Tag.

Der vierte Tag mit ausschließlich Trockenfutter behielt die Intensität des Vortages. Es gab auch an diesem Tag Auseinandersetzungen unter den Rudelmitgliedern und es gab Attacken, die Schrammen im Fell und Haut hinterließen. Das ganze Rudel wirkte den Tag über Unruhig, manche der Welpen regelrecht hibbelig.

Der fünfte Tag.

Am fünften Tag gab es endlich rohes Fleisch für die Hunde. Es wurde wie immer Abends gefüttert. Und man mag es kaum Glauben: Am nächsten Tag waren alle Huskys wieder so ruhig und ausgeglichen, wie vor den Tagen der Trockenfütterung. Es gab auch keine weiteren Streitigkeiten und auch keinerlei Schrammen.

Jetzt mag man sagen, das es womöglich auch einen anderen Grund gab, einen anderen Auslöser für das veränderte Verhalten der Huskys im Rudel, als das Trockenfutter. Und das mag auch durchaus so sein, aber wir konnten keinen entdecken. Wir wollen auch nicht irgendeine Art der Fütterung bewerten, sondern hier haben wir lediglich unsere Beobachtungen dargelegt.